Aus den Schaumburger Nachrichten vom 4. Februar 2012

Beschreibung: C:\Users\Werner Gundlach\Desktop\Informatik 2012\abschied camilo-Dateien\Camilo.jpg„Selber begeistert, kann man junge Leute mitreißen“

Stadthäger Profile: Der in den Ruhestand verabschiedete 63-jährige Pädagoge Eberhard Greuel bringt Markantes hervor

Viele markante Stichworte verbinden sich mit dem Berufsleben des Stadthäger Pädagogen Eberhard Greuel (63, Bild): Bundessieg beim Wettbewerb für Schul-Modelleisenbahnen, Initiator der Stadthäger Fahrradtage, unerschrockener Aufdecker der unseligen „Geburtstagsprügel“ im Jahr 2002 an der Schule Am Schlosspark. An dieser ist der passionierte Lehrer nach 35 Berufsjahren jetzt in den Ruhestand verabschiedet worden.

Den „Virus Modelleisenbahn“ habe er sich als kleiner Junge eingefangen, erzählt der im schleswig-holsteinischen Heide aufgewachsene Greuel. Dieser sei im Dasein als Haupt- und Realschullehrer wieder ausgebrochen. „Wenn man selber von etwas begeistert ist, kann man junge Leute mitreißen“, bekennt er. Das Ergebnis ist außergewöhnlich: Die Oberschule Am Schlosspark verfügt über die weitaus größte Schulmodellbahn in Deutschland. Einmal wurde das Team Bundesieger, heimste viele weitere Preise ein. „Spaß und Freude zu vermitteln ist ein Motiv“, reflektiert Greuel, „aber die Sache ist auch sehr charakterbildend etwa mit Blick auf Zuverlässigkeit und Präzision.“

Mit viel Engagement gerade Haupt- und Realschüler umfassend zu fördern, sieht Greuel als seine bewusste Entscheidung aus dem Geist der 68er. Nach dem Abitur begann er 1967 ein Theologiestudium. „Ich wollte von der Kanzel die Weltrevolution predigen“, erzählt er mit selbstironischem Unterton, „bin dabei aber schnell zum feurigen Atheisten geworden.“ 1968 nahm er in Berlin ein Lehrerstudium auf. Als Mitglied einer maoistischen Gruppe erlebte er die Revolte mit. Gummiknüppel, Tränengas und Polizeigewahrsam gehörten genauso dazu wie das Mitmachen bei einer Institutsbesetzung. Dass die Weltrevolution Spielart Mao ausgeblieben ist, darüber zeigt sich Greuel, der bei diesen Schilderungen immer wieder milde selbstironische Töne anschlägt, heute erleichtert. Geblieben sei aber, setzt er nach einer Pause mit ernsthaftem Nachdruck hinzu, „der Mut sich zu rühren, wenn etwas ungerecht läuft, und etwas dagegen zu tun“.

Anerkanntermaßen Mut gezeigt hat der Pädagoge, als er vor zehn Jahren auf dem Schulhof eine Gruppe halbstarker Jugendlicher auf einen am Boden liegenden Schüler eintreten sah. Ein zerrissenes Hemd und auch Angstschweiß hatte es gekostet, Täter festzuhalten. Dieses Einschreiten führte zum Aufdecken der medial bundesweit beachteten „Geburtstagsprügel“ und zur Einrichtung eines Gewaltpräventionsprogramms.

Als passionierter Radler gründete Greuel an der Schule eine Fahrradwerkstatt und initiierte die Stadthäger Fahrradtage, die mittlerweile in der Kreisstadt ein politischer Faktor sind.